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Am 14.2.2009 fand unser diesjähriges Informations- und Weiterbildungsforum unter dem Titel "5. Hamburger Brachytherapiesymposium" statt. Es stand unter dem Motto "Brachytherapie des Prostatakarzinoms - eine klinische Herausforderung".
Internationale Referenten aus den USA und den Niederlanden und national/international ausgewiesene Experten aus dem Bundesgebiet und Hamburg diskutierten das Potential der Brachytherapie und die derzeitige wissenschaftliche Datenlage. 80 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich waren anwesend.
Dr. Peter Grimm aus dem Seattle Prostate Institute (Seattle, USA) fasst die aktuelle Ergebnislage für alle Tumorstadien zusammen und verglich die mit den Ergebnissen anderer Therapieverfahren, wie z.B. der Radikaloperation, der perkutanen Bestrahlung einschl. IMRT, HIFU, Cryotherapie und Protonenbestrahlung. Im Niedrig- und Mittelrisikostadium ist die alleinige Seedimplantation mittlerweile die wirkungsvollste Therapieform. Wird bei Patienten im Hochrisikostadium die Seedimplantation mit einer externen Bestrahlung kombiniert, so ist diese Kombination allen anderen Therapiemöglichkeiten sogar mit Abstand überlegen. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der hohen Bestrahlungsdosis innerhalb der Prostata, vor allem aber daran, daß immer der periprostatische Bereich mitbestrahlt wird, ein perikapsuläres Tumorwachstum somit ohne Folgen bleibt.
Prof. Jan Batterman aus Utrecht (NL) als Mitautor der aktuellen Therapieempfehlungen der europäischen Fachgesellschaften kommt zu dem dem gleichen Ergebnis. Er betont zudem, daß Nebenwirkungen in der Regel gering sind und vor allem von eventuellen Begleiterkrankungen des Patienten abhängen.
Dr. Jack Venselaar aus Tinorg (NL) als Mitautor der aktuellen technischen Handlungsempfehlungen der Europäischen Fachgesellschaft ESTRO geht detailliert auf die technischen Rahmenbedingungen der Brachytherapie ein und betont die Bedeutung einer funktionierenden Qualitätssicherung.
Frau Prof. Marisa Kollmeier aus dem weltbekannten Memorial Sloan Kettering Cancer Center (New York, USA) geht danach detailliert auf die Brachytherapietechniken ein, die bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zum Einsatz kommen. In New York haben LDR-wie HDR-Brachytherapie, jeweils in Kombination mit der externen Bestrahlung ihren festen Platz, obgleich die LDR-Brachytherapie (Seedimplantation) die deutlich längeren Erfahrungen und etwas besseren Ergebnisse aufweist. Beide Kombinationsverfahren seien in einer randomisierten Studie mit der HochDosis-IMRT verglichen worden und sogar effektiver in der Krebsbeseitigung als die HochDosis.IMRT mit 86 Gy.
Dr. Jörg Zimmermann (Hamburg) spricht über die LDR-Brachytherapie bei Patienten, die bei einem Rückfall des Krebses nach einer früheren äusseren Bestrahlung nochmals in 60-80 % eine langfristige Heilung bedeuten kann.
Den zweiten Teil des Symposiums eröffnet als Pathologe Herr Prof. Burkhard Helpap aus Singen. Prof. Helpap ist ein international anerkannter Experte für die histologische Beurteilung des Prostatakrebses. Eine von ihm vor einigen Jahren eingeführte Modifikation des Gleason-Scores wird vorgestellt und intensiv diskutiert. Es zeigt sich, daß die korrekte Anwendung seiner Modifikation zu einer besseren Übereinstimmung zwischen des bioptisch bestimmten Gleason-Scores und dem Gleason-Score nach Radikaloperation führt. Aufgrund der Ausführungen von P. Grimm und M. Kollmeier wird aber auch klar, daß dieser Effekt, der auch als Upgrading bezeichnet wird, bei brachytherapeutischen Behandlungsverfahren von untergeordneter Bedeutung ist, da die Brachytherapie nach neuen Erkenntnissen gerade bei fortgeschritteneren Karzinomen ihre überlegene Wirkung zeigt.
Die Spezialisten der bildgebenden Verfahren können ebenfalls zunehmend zu einer besseren Vordiagnostik vor dem Therapieentscheid beitragen. Dr. Schick aus der auf diesem Gebiet führenden Klinik für Nuklearmedizin der Universität Ulm berichtet über die Möglichkeiten des PET/CT. Dieses sei mittlerweile in der Lage, den Sitz eines Tumors in der Prostata sowie einen eventuellen Lymphknotenbefall und eine Fernmetastasierung in einem Untersuchungsgang zu spezifizieren. Es sei allerdings noch nicht präzise genug, einen eventuell vorhandenen Kapseldurchbruch des Krebses sicher zu zeigen. Dr. Salomon aus der Martiniklinik des UKE Hamburg demonstriert die Möglichkeiten moderner transrektaler Ultraschalltechniken wie der Elastographie und des Kontrastmitteldopplers. Durch diese Verfahren werden sich wohl in der Zukunft intraprostatische Tumorherde besser lokalisieren lassen, was vor allem für die Biopsiegenauigkeit von Bedeutung wäre. Der abschliessende wissenschaftliche Beweis hierfür steht jedoch noch aus.
Dr. Rudolf Osieka vom Urologikum Hamburg geht auf besondere Situationen und Probleme in der praktischen Nachsorge ein. Ausführlich wird die Bedeutung des PSA-Bounces diskutiert. Am wichtigsten für Arzt und Patient sei es, Ruhe zu bewahren, schließlich haben die Patienten mit zwischenzeitlichem PSA-Bounce eine langfristig sogar noch etwas bessere Krebsheilung zu erwarten.
Dr. Marcus Kurzidem als Repräsentant der Urologie des Kathol. Marienkrankenhauses Hamburg geht auf die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik ein und referiert über die Chancen und Möglichkeiten heutiger Prostatakarzinomzentren. Wichtig neben der Nomenklatur und Aussendarstellung sei aber weiterhin die medizinisch solide Arbeit aller an solchen Zentren Beteiligten Fachrichtungen.
Zum Schluß gibt Frau Dr. Joan Panke als Repräsentantin des Medizinischen Dienstes/Spitzenverbandes einen Überblick über die Vergütungssituation der Brachytherapie.
Programmflyer (PDF, ca. 2,3 MB)
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