Die Brachytherapie beim Prostatakarzinom (Prostataseedimplantation) ist eine sehr komplexe Strahlenbehandlung, bei welcher radioaktives Material direkt in das krebserkrankte Organ eingepflanzt wird, um die Tumorzellen zu zerstören. Der Begriff brachy bedeutet im griechischen „kurz, nah“. Man bezeichnet die Brachytherapie auch als „innere (Nah-)bestrahlung“.
Der größte Vorteil überhaupt ist die gute Heilungsaussicht. Mit keiner anderen Bestrahlungstechnik lässt sich eine so hohe Dosis gezielt in die periphere Zone der Prostata einstrahlen, was Voraussetzung für eine Heilung ist.
Die Seedimplantation ist eine einmalige, minimal-invasive Prozedur, die ca. 90 Minuten Narkosezeit benötigt. Die Erholungszeiten sind kurz und die Patienten können gewöhnlich ihren normalen Lebensrhythmus nach ein paar Tagen wieder aufnehmen.
Ein weiterer Vorteil der Brachytherapie ist es, daß die Patienten nach wenigen Tagen ihren normalen Lebensrhythmus wieder aufnehmen können, da relevante Nebenwirkungen nur selten auftreten.
Nach mittlerweile 9 Jahren Erfahrung in der Seedimplantation konnten wir nicht viele Nachteile feststellen: Allenfalls entwickeln viele Patienten ein leichtes bis mäßiges Druckgefühl beim Wasserlassen, der Harnstrahl wird schwächer und die Frequenz des Wasserlassens ansteigt, vor allem Nachts. Hinzu kommen irritative Beschwerden beim Wasserlassen. Diese Effekte sind ähnlich, aber ausgeprägter als nach der äußeren Bestrahlung. Ein absoluter Harnverhalt ist selten. Die Beschwerden können einige Monate anhalten, klingen dann aber ab.
Mitunter benötigt der PSA-Wert einige Jahre, um seinen Tiefstpunkt zu erreichen. Der PSA-Wert kann in den ersten beiden Jahren nach der Seedimplantation schwanken (PSA-Bounce), was ohne entsprechende Kenntnisse zur Verunsicherung von Patient und Ärzten führen kann (s. auch Frage 4).
Die geometrische Kontrolle der Seedlage nicht nur während der OP, sondern ein zweites Mal 4—6 Wochen nach der Implantation. Es wird ein spezieller Ultraschall oder ein CT/MRT durchgeführt, welches die Lage der implantierten Seeds in Bezug zur Prostatakapsel zeigt. Die nachfolgende erneute Dosisberechnung zeigt, ob die Prostata in allen Bereichen ausreichend Strahlungsdosis erhält.
Die biochemischen Kontrollen, ob der gewünschte Behandlungserfolg eintritt, erfolgen zunächst 6 Wochen und 3 Monate nach der Implantation durch Bestimmung des PSA-Wertes. Im weiteren Verlauf genügt die Kontrolle des PSA dann alle drei bis sechs Monate. Ideal ist es, wenn der PSA innerhalb von 6 Monaten auf Werte < 1ng/ml bzw. innerhalb von 12 Monaten auf einen PSA < 0,5 ng/ml abgefallen ist. Studien haben jedoch gezeigt, dass auch ein langsamerer PSA-Abfall nicht mit einer schlechteren Prognose einhergeht, solange nicht ein kontinuierlicher (tumorbedingter) Wiederanstieg auftritt. Zu berücksichtigen ist der PSA-Bounce, ein vorübergehender Anstieg des PSA meist im zweiten Jahr nach der Seedimplantation aus bisher nicht genau bekannten Gründen. Man vermutet ggf. eine Entzündung, bedingt durch ein Absterben der Tumorzellen als Ursache. Die Prognose wird dadurch nicht negativ beeinflusst, Patienten mit einem PSA-Bounce haben statistisch sogar eine überdurchschnittliche Heilungsrate.
Mittlerweile ist klar, daß die Brachytherapie in allen Stadien des Prostatakarzinomes sehr gute Ergebnisse mit sich bringt.
Die Ansicht, daß die Seedimplantation nur im Frühstadium einsetzbar sei, ist veraltet bzw. wird noch häufig aus fachpolitischen Gründen zur gezielten Desinformation von Patienten und Angehörigen sowie nicht mit der Materie vertrauter Ärzte eingesetzt.
Detailangaben finden sich im Kapitel "Behandlungsergebnisse".
Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass nach Seedimplantation je nach Situation sowohl eine Radikale Prostatektomie, eine erneute Seedimplantation, eine äußere Bestrahlung, eine Kryo– oder HIFU-Therapie sowie eine Hormontherapie durchgeführt werden können. Es stehen somit auch bei einem Nichtansprechen auf die Primärtherapie noch unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Der Eingriff kann in Vollnarkose und Spinalanästhesie ("Rückenmarksbetäubung") erfolgen. Wir ziehen mittlerweile die Spinalanästhesie vor, da sie für den Patienten zu einer geringeren Gesamtbelastung führt. Sie führt jedoch oft zu relevanten Beweglichkeitseinschränkungen in den ersten postoperativen 24 Stunden, sodaß sie in der Regel stationären Behandlungen vorbehalten bleibt.
Die Vorbereitung ist ähnlich wie bei einem Leistenbruch oder Blinddarmoperation. Ein präoperativer Laborstatus einschl. Blutgerinnung sowie ein EKG müssen vorliegen.
Wichtig ist seitens des Patienten, blutgerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar oder Aspirin (ASS) spätestens 8 Tage vor dem Eingriff sowie Medikamente gegen erhöhten Blutzucker 3 Tage vor dem Eingriff abzusetzen.
Obwohl die Kosten der Seedimplantation erheblich geringer sind als die Kosten der Operation, werden die Kosten der Seedimplantation von den gesetzlichen Kassen derzeit nur übernommen, wenn die Behandlung im Kankenhaus stattfindet. Durch die Kooperationen mit verschiedenen Vertragskrankenhäusern können wir die in Frage kommenden Patienten jederzeit stationär behandeln.
Seit dem 30.09.2005 liegt eine Abrechnungsempfehlung der Bundesärztekammer vor, sodaß die Privatkassen und die Beihilfe die Kosten mittlerweile i.d.R. übernehmen.
Krankenhäuser können die LDR-Brachytherapie dann abrechnen, wenn die Krankenhausbehandlung medizinisch notwendig ist. Dies ist bei den vielen Patienten z.B. wegen vorbestehender Begleiterkrankungen der Fall.
Einzelheiten besprechen wir gerne im persönlichen Gespräch.
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