Narben– und Keloidbestrahlung

Interstitielle und oberflächliche Therapie von hypertrophem Narbengewebe in verschiedenen Körperlokalisationen

Überschiessendes Narbengewebe, auch „hypertrophe Narbe“ oder „Keloid“ genannt, kann nach einem lokalen Trauma, z.B. nach chirurgischer Intervention, Piercing, Impfungen, Hautverbrennungen oder Infektionen in allen Regionen des Körpers entstehen.

Manchmal sind Narbenbildungen nur kosmetisch störend. In Abhängigkeit der Lokalisation können durch Narben jedoch Beschwerden wie Schmerzen, Brennen, Stechen, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen hervorgerufen werden.

Als Behandlungsoptionen sind etabliert:

- die erneute operative Resektion, ggf. mit zusätzlicher Kortsiongabe. Das Risiko einer erneuten Narbenbildung liegt bei etwa 60%.

- Laser und prolongierte Kompression, Retinolsäure oder Silokongel. Die Ergebnisse sind in der Regel enttäuschend.

Methodischer Ansatz:

Mit der LDR-Brachytherapie steht eine in Deutschland nur wenig bekannte, jedoch sehr effektive Therapie zur Verfügung, die unabhängig von der Narbenlokalisation in Verbindung mit einer erneuten operativen Narbenresektion eingesetzt werden kann.

Wichtig ist die enge Zusammenarbeit des Strahlentherapeuten mit den Spezialisten anderer Fächer (z.B. Hautärzte, Plastische Chirurgen, HNO u.a.), da nur auf diese Weise der maximale Nutzen der Methode ausgeschöpft werden kann.

Die notwendige Operation und Bestrahlung erfolgen in der Regel stationär, es ist ein Aufenthalt von etwa 3-5 Tagen im Krankenhaus oder in der Praxis notwendig. Die Behandlung kann kontinuierlich oder aber unterteilt (fraktioniert) erfolgen.

Ergebnisse der LDR-Brachytherapie Die LDR-Brachytherapie im Anschluss an eine operative Resektion beseitigt in 75 bis 90 % die vorbestehenden Narben und verhindert eine Neubildung derselben.

Wichtig ist die präzise Lokalisation der implantierten Strahler in Bezug zur vorherigen Narbenregion und  eine möglichst geringe mechanische Belastung der Narbenregion während der Wundheilung (Reizreduktion).

Die Dosis ist mit ca. 15—25 Gy so gering, dass keine ernsthaften Nebenwirkungen beschrieben sind oder zu erwarten wären. Da die Bestrahlung aufgrund der technischen Eigenarten der verwendeten Strahler in bestmöglicher Weise auf das Behandlungsgebiet beschränkt bleibt und die Umgebung nicht miterfasst, sind radiogene Beeinflussungen anderer Gewebe ebenfalls nicht zu erwarten.

Narbenlokalisationen und Indikationen
Die Entstehung überschiessender Narben kann an jedem Ort des menschlichen Körpers stattfinden. Meist liegt die Lokalisation an der Haut. Störende Narben an der Haut entstehen z.B. nach großen Bauchoperationen (Laporotomie, Kaiserschnitt u.a.) oder nach Brustoperationen. Sie sind mitunter nicht nur kosmetisch störend, sondern verursachen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und seelische Belastungen.

Auch die Mundschleimhaut ist nach operativen Eingriffen in der Mundhöhle mitunter von Narbenbildungen betroffen. Der Schluckakt und die Mundöffnung können behindert werden, es können auch hier Schmerzen auftreten. Ferner können nach Operationen an Hohlorganen (z.B. Harnröhre, Gallenwege) oder im Bereich der Nervenwurzeln nach Bandscheibenoperationen durch überschiessendes Narbengewebe Schmerzen, Einengungen oder Funktionseinschränkungen resultieren.