Prognoseprofil

Prognoseprofil

Ist ein Prostatakarzinom nachgewiesen, so lassen sich aus den bekannten Labor- und Biopsieergebnissen recht genau Prognosen ableiten, wie hoch das Risiko des Patienten ist, durch die Erkrankung nicht geheilt zu werden. Dies erfolgt durch den Vergleich des PSA-Wertes, des Gleason-Scores und des Tumorstadiums mit vor einigen Jahren angelegten Großdatenbanken. Am bekanntesten sind die Datenbanken von A. Partin (Partintabellen) und Kollegen, die hier Pionierarbeit geleistet haben.

Je genauer dabei die Biopsie ist – dies ist abhängig von der Anzahl der beurteilbaren Stanzen und der Qualität des Pathologen – desto präziser werden die Aussagen.

Wichtig sind hierbei:

a. Wahrscheinlichkeit des Kapseldurchbruchs (pericapsular infiltration/extension): Ist der Krebs erst einmal durch die Prostataumhüllung durchgewachsen, ist beispielsweise eine nerverhaltende Radikaloperation mit dem Ziel der Heilung kaum noch möglich. Bei der Brachytherapie spielt der Kapseldurchbruch eine geringere Rolle, da die Brachytherapie auch die durchgebrochenen Tumoranteile sicher beseitigt.

b. Wahrscheinlichkeit des Samenblasenbefalls (seminal vesicle involvement): Dies hängt vom Sitz des Tumors in der Prostata, dem PSA und dem Gleason-Grad  ab. Ist das Risiko signifikant erhöht, sollte die Brachytherapie mit einer externen Bestrahlung kombiniert werden.

c. Wahrscheinlichkeit der Lymphknoteninfiltration (lymphatic invasion): Hat der Krebs die Prostata verlassen, so erfolgt eine Absiedlung in andere Organe vor allem über den Lymphweg. Die Krebszellen bleiben in den filtrierenden Lymphknoten hängen und können dort heranwachsen. Das Risiko wird nach unserer Erfahrung oft überschätzt. Bei einem erhöhtem Befallsrisiko kann die Brachytherapie mit einer externen Bestrahlung kombiniert werden.

Alternativ zur Kalkulation des individuellen Progressionsrisikos anhand der Partintabellen  hat sich eine Einteilung, die zuerst von D´Amico benutzt wurde, zum Vergleich der Behandlungsergebnisse bewährt. Hierbei werden anhand von PSA, Gleason-Grad und Tumorstadium drei Prognosegruppen unterschieden:

  • Niedriges Progressionsrisiko (PSA < 10 ng/ml, Gleason < 3+4=7a, T1 o. T2a)
  • Mittleres Progressionsrisiko (PSA 10-20 ng/ml, Gleason >= 3+4=7a oder 4+3=7b, cT2b)
  • Hohes Progressionsrisiko (PSA > 20 ng/ml, Gleason 8,9,10, cT2c (beidseits tastbarer Tumor)

Durch die Einteilung der Patienten in diese drei Gruppen ist auch ein Vergleich unterschiedlicher Therapieverfahren in unterschiedlichen Tumorstadien möglich.

Diese Einteilung liegt auch den Ergebnissen der Metaanalyse von Grimm et al. (s. Downloads) zugrunde.

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