Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was ist LDR-Brachytherapie ?

Die Brachytherapie beim Prostatakarzinom (Prostataseedimplantation) ist eine sehr komplexe Strahlenbehandlung, bei welcher radioaktives Material direkt in das krebserkrankte Organ eingepflanzt wird, um die Tumorzellen zu zerstören. Der Begriff „brachy“ bedeutet im griechischen „kurz, nah“. Man bezeichnet die Brachytherapie auch als „innere (Nah-)bestrahlung“.

Der Begriff „LDR“ steht für „Low Dose Rate“. Mit LDR-Brachytherapie wird somit ein Verfahren bezeichnet, welches pro Tag eine nur geringe Strahlungsdosis appliziert. Da das radioaktive Material (z.B. Iod 125) seine Strahlung aber über mehrere Monate abgibt, ist die resultierende Gesamtdosis an den Zielstrukturen sehr hoch. Ein weiterer Begriff für die LDR-Brachytherapie lautet “Permanente Brachytherapie”.

Was sind die Vorteile der Seedimplantation beim Prostatakrebs ?

Der Vorteil der Seedimplantation ist die Kombination  aus sehr Heilungsaussicht und gleichzeitig geringen Nebenwirkungen. Dies wird erreicht durch:

-       sehr hohe Strahlungsdosis in der Prostata

-       hohe Strahlungsdosis um die Prostatakapsel herum (Sicherheitssaum)

-       geringe Strahlendosis an Harnblase, Darm und Schließmuskel

Welche Nebenwirkungen treten auf ?

Viele Patienten berichten anfänglich ein leichtes bis mäßiges Druckgefühl beim Wasserlassen, der Harnstrahl wird schwächer und die Frequenz des Wasserlassens steigt, vor allem Nachts. Hinzu kommen irritative Beschwerden beim Wasserlassen. Diese Effekte sind ähnlich wie bei der äußeren Bestrahlung. Ein absoluter Harnverhalt ist selten. Die Beschwerden können einige Monate anhalten, klingen dann aber ab.

Eine Harninkontinenz tritt nur als absolute Ausnahme (statistisch < 1 %) auf.

Diese Beschwerden kann der Patient selber reduzieren, indem er auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (> 2 Liter tgl.) achtet, Unterkühlungen vermeidet und die verordneten Medikamente wie alpha-Blocker oder Antiphlogistika vereinbarungsgemäß einnimmt.

Wie wird der Behandlungserfolg kontrolliert ?

Die geometrische Kontrolle der Seedlage erfolgt nicht nur während der OP, sondern ein zweites Mal 4—6 Wochen nach der Implantation. Es wird ein spezieller Ultraschall oder ein CT/MRT durchgeführt, welches die Lage der implantierten Seeds in Bezug zur Prostatakapsel zeigt. Die nachfolgende erneute Dosisberechnung zeigt, ob die Prostata in allen Bereichen ausreichend Strahlungsdosis erhält. In sehr seltenen Fällen (<2% aller Patienten) ist ein kurzer Zweiteingriff zum Nachsetzen einiger Seeds notwendig.

Die biochemischen Kontrollen, ob der gewünschte Behandlungserfolg eintritt, erfolgen zunächst 6 Wochen und 3 Monate nach der Implantation durch Bestimmung des PSA-Wertes. Im weiteren Verlauf genügt die Kontrolle des PSA dann alle drei bis sechs Monate. Ideal ist es, wenn der PSA innerhalb von 6 Monaten auf Werte < 1ng/ml bzw. innerhalb von 12 Monaten auf einen PSA < 0,5 ng/ml abgefallen ist. Studien haben jedoch gezeigt, dass auch ein langsamerer PSA-Abfall nicht mit einer schlechteren Prognose einhergeht, solange nicht ein kontinuierlicher (tumorbedingter) Wiederanstieg auftritt. Zu berücksichtigen ist der PSA-Bounce, ein vorübergehender Anstieg des PSA meist im zweiten Jahr nach der Seedimplantation aus bisher nicht genau bekannten Gründen. Man vermutet ggf. eine Entzündung, bedingt durch ein Absterben der Tumorzellen als Ursache. Die Prognose wird dadurch nicht negativ beeinflusst, Patienten mit einem PSA-Bounce haben statistisch sogar eine überdurchschnittliche langfristige Heilungsrate.

In welchen Stadien der Prostatakrebserkrankung ist die Seedimplantation durchführbar ?

Mittlerweile – spätestens seit der detaillierten Metaanalyse von Grimm et al. vom Februar 2012 – ist klar, daß die Brachytherapie in allen Stadien des Prostatakarzinomes sehr gute Ergebnisse mit sich bringt. Die Ansicht, daß die Seedimplantation nur im Frühstadium einsetzbar sei, ist veraltet, obgleich sie sich auch in aktuellen Publikationen immer noch finden lässt. Detailinformationen finden sich im Kapitel “Behandlungsergebnisse”.

Was tun, wenn das Karzinom nach Seedimplantation doch wiederkommt ?

Krebsrückfälle in der Prostata selber sind mittlerweile sehr selten nach Brachytherapie. Kommt es dennoch dazu, muss zunächst der genaue Tumorsitz mit geeigneten Methoden abgeklärt werden. Je nach Situation können immer noch eine Radikale Prostatektomie, eine erneute Seedimplantation, eine äußere Bestrahlung, eine Kryo– oder HIFU-Therapie sowie eine Hormontherapie erfolgen.

Welche Narkoseform ist die Beste ?

Der Eingriff kann in Vollnarkose und Spinalanästhesie (“Rückenmarksbetäubung”) erfolgen. Wir ziehen mittlerweile die Spinalanästhesie vor, da sie für den Patienten zu einer geringeren Gesamtbelastung führt. Sie führt jedoch oft zu relevanten Beweglichkeitseinschränkungen in den ersten postoperativen 24 Stunden, sodaß sie in der Regel stationären Behandlungen vorbehalten bleibt.

Was muss zur OP-Vorbereitung beachtet werden ?

Die Vorbereitung ist ähnlich wie bei einem Leistenbruch oder Blinddarmoperation. Ein präoperativer Laborstatus einschl. Blutgerinnung sowie ein EKG müssen vorliegen. Wichtig ist seitens des Patienten, blutgerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar oder Aspirin (ASS) > 100 mg tgl.  spätestens 8 Tage vor dem Eingriff sowie Medikamente (Metformin) gegen erhöhten Blutzucker 3 Tage vor dem Eingriff abzusetzen.

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen ?

Bei gesetzlich Versicherten Patienten hängt dies von der jeweiligen Krankenkasse ab. Mit allen großen Kassen liegen direkt oder über das Prostatazentrum Vereinbarungen für Kostenübernahmen vor. Fragen Sie uns im Zweifel, ob Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Seit dem 30.09.2005 liegt eine Abrechnungsempfehlung der Bundesärztekammer vor, sodaß die Privatkassen und die Beihilfe die Kosten übernehmen.

Wann kann die Behandlung stationär erfolgen ?

Krankenhäuser können die LDR-Brachytherapie dann abrechnen, wenn die Krankenhausbehandlung medizinisch notwendig ist. Dies ist bei vielen Patienten z.B. wegen vorbestehender Begleiterkrankungen der Fall. Einzelheiten besprechen wir gerne im persönlichen Gespräch.

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