Brachytherapie

Brachytherapie

 

In der Behandlung des Prostatakarzinomes vollzieht sich in den letzten Jahren ein enormer Wandel zu immer weniger beeinträchtigenden aber dennoch effektiven Therapieformen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß die klassischen Therapieverfahren (Radikaloperation, Externe Bestrahlung) nicht die seinerzeit in sie gesteckten Erwartungen erfüllen können. Es ist mit beiden Verfahren nicht gelungen, gleichzeitig hohe Heilungsraten und geringe Nebenwirkungen zu erreichen.

Am besten ist dieses Dilemma an den Ergebnissen der Radikalen Prostatektomie zu beobachten. Es gibt von einigen Kliniken wissenschaftliche Berichte über sehr gute Heilungsraten (z.B. Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York). Andere Kliniken berichten über hervorragende Erfolge bei der Nerverhaltung, wodurch die früher sehr hohe langfristige Inkontinenzrate nach Radikaloperation von über 50% auf 10-20 % gesenkt werden konnte. Die genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Publikationen dieser Kliniken zeigt jedoch, daß die Erfolge bei der Verringerung von Nebenwirkungen mit einer erkennbar höheren Rate von Krebsrückfällen einhergehen. Publikationen, die nach Radikaloperation gleichzeitig über hohe Heilungsraten und über geringe Nebenwirkungen berichten, gibt es entgegen manch anderslautender Eindrücke nicht !

Bei der LDR-Brachytherapie (Seedimplantation) ist dies bei geeigneter Patientenauswahl anders: hier treffen tatsächlich eine sehr hohe Heilungsrate mit sehr wenigen Komplikationen zusammen.

Eine Inkontinenz nach Seedimplantation ist die absolute Ausnahme, auch Erektionsstörungen sind seltener und treten – bedingt durch strahlenbiologische Phänomene – in jedem Falle später auf als nach Radikaloperationen. Es ist keine Reha notwendig, nach wenigen Tagen kann der Patient seinen Alltagsrhythmus wieder aufnehmen.

In einer im Februar 2012 erschienenen Metaanalyse, also einer Zusammenfassung vieler anderer publizierter Studien, hat sich bestätigt, daß die LDR-Brachytherapie nicht nur im Frühstadium der Erkrankung , sondern auch im mittleren Stadium und sogar im lokal fortgeschrittenen Stadium deutlich häufiger zu einer langfristigen Heilung führt als die Radikaloperation oder die externe Bestrahlung. Die relative Überlegenheit der Brachytherapieverfahren ist sogar umso höher, je agressiver der Krebs schon gewachsen ist.

Erfreulich ist, daß auch die Auswertungen unseres eigenen Patientenkollektives den Ergebnissen der Metaanalyse nicht nachstehen.

Diese Ergebnisse basieren  auf zwei bekannten therapeutischen Umständen. Zum einen gelingt mit Brachytherapie sehr einfach eine sog. „Dosiseskalation“, mehr Dosis am richtigen Ort in der Prostata beseitigt den Tumor sicherer als die rel. geringe Strahlendosis bei der externen Bestrahlung. Zum zweiten ist mit der richtigen Brachytherapietechnik (Seedketten) auch ein bis zu 10 mm weiter Sicherheitssaum um die Prostata herum mit bestrahlbar. Dies eliminiert die Gefahren, die bei einem lokal agressiveren Tumor von dessen Durchwachsen durch die Prostatakapsel entstehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) hat in einer Pressemitteilung vom März 2012 die Metaanalyse als wissenschaftlich seriös und glaubhaft anerkannt.

Die LDR-Brachytherapie ist mittlerweile (2017) in den internationalen Leitlinien des NCCN (National Comprehensive Cancer Network, USA) 2016 und den europäischen Guidelines der EAU, ESTRO und SIOG 2017 fest verankert, sowohl als Monotherapie für die Low- und Intermediate Risk Gruppe als auch in der Kombination mit der externen Bestrahlung für das fortgeschrittene Intermediär- und Hochrisikostadium.

Bitte verschaffen Sie sich auf den folgenden Seiten einen eigenen Überblick über die Ergebnisse und Techniken der LDR-Brachytherapie.

© Copyright Dr. Jörg Zimmermann 2012. All rights reserved.