Fokale Therapie

Fokale Therapie

Fokale Therapie beim Prostatakarzinom

In den letzten Jahren wird in wissenschaftlichen Fachkreisen vermehrt diskutiert, ob – im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen, bei welchem unabhängig von der Methodik immer die gesamte Prostata behandelt wird – es bei ausgewählten Patienten nicht genügen kann, nur den tatsächlich vom Krebs betroffenen Teil der Prostata zu behandeln.

 

Diese Überlegungen werden begünstigt von den Fortschritten im Bereich der Bildgebung, insbesondere bei den verschiedenen Farbdopplertechniken wie Histoscanning oder Elastographie, aber auch im Bereich des hochauflösenden MRT und PSMA-PET/CT, mittels derer Lage und Ausdehnung von Tumorarealen bestimmt werden können.

Den potentiellen Vorteilen (geringere Nebenwirkungen) steht der potentielle Nachteil vermehrter Tumorrückfälle entgegen, sodaß nach aktueller Auffassung vor allem ältere Patienten bzw. Patienten mit sehr günstigem Risikoprofil für eine fokale Therapie in Frage kommen. Vermehrte Tumorrückfälle bzw. die daraus resultierende weitere Diagnostik und weitere Behandlungen könnten auch zu erheblichen psychologischen Belastungen der Patienten führen.

Welche fokalen Therapiemöglichkeiten gibt es ?

Fokale Therapie wird – ausser durch Brachytherapie – vornehmlich mit thermoablativen Verfahren durchgeführt. Diese  führen über ihre Wirkweise zu Nekrosebildungen (Gewebszerstörungen) an den jeweiligen Zielstrukturen und der Umgebung und dadurch potentiell zu hartnäckigen Abszessen und Harnwegsinfektionen, wodurch die Notwendigkeit  einer fortlaufenden Antibiotikatherapie, Dauerkatheterisierungen etc.  entstehen kann. Wir befürworten diese thermoablativen Therapieverfahren (z.B. HIFU oder IRE) daher nicht !

Die LDR-Brachytherapie (Seedimplantation) ist im Vergleich zu diesen Methoden bereits in der „konventionellen“ Vorgehensweise, d.h. bei Behandlung der gesamten Prostata, schonender.

Bei der fokalen LDR-Brachytherapie treten noch weniger Nebenwirkungen auf, sie ist aus unserer Sicht daher die ideale fokale Therapieform, wenn die patientenseitigen Voraussetzungen vorliegen.

Patienten mit folgenden Voraussetzungen sind grundsätzlich für die fokale Therapie mit Seeds (LDR-Brachytherapie) geeignet:

  •  Prostatakarzinom mit aussagekräftiger Stanzbiopsie
  • Gleason 6 oder 7
  •  geringe Anzahl positiver Stanzen
  • PSA-Wert < 10 ng/mL, in Ausnahme bis 15 ng/mL
  • Zusätzlich zum Ultraschall empfehlen wir ein Multiparameter-MRT bzw. Cholin-PET/CT

 

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